Mittwoch, 2. April 2014

[Rezension] Der Zorn des Lammes - Johannes Groschupf








Preis: 12,99€ [D, Buch]
Einband: broschiert
Seitenanzahl: 240
Altersempfehlung: ab 16
Meine Wertung: 5/5
Reihe:
Verlag: Oetinger Taschenbuch
ISBN-10: 3841502822
EAN: 978-3841502827




Nur nicht darüber nachdenken, was Andere denken könnten



Jazz und Milan. Zwei junge Menschen in Berlin. Zwei Geschichten. Zwei Perspektiven. Die eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Jazz kennt Milan, den etwas seltsamen Tellerwäscher aus der Kantine des Tagesspiegel, nur ganz flüchtig. Doch für Milan ist Jazz alles. »In jeder Nacht sitze ich hier und schreibe an sie. An sie, deren Namen ich nicht einmal kenne. Du bist schön wie der Mond.« Milan ist besessen von Jazz und schleicht sich nach und nach in ihr Leben … 

 Johannes Groschupf, 1963 in Braunschweig geboren, studierte Germanistik, Publizistik und Amerikanistik. Heute lebt er als freier Journalist in Berlin und schreibt für Die ZEIT, die FAZ, den Tagesspiegel, die Berliner Zeitung u.a. Er hat bereits zwei Romane für Erwachsene veröffentlicht und erhielt 1999 den Robert-Geisendörfer-Preis für das NDR-Feature „Der Absturz“.
Brillant, sehr ausdruckstark, der Druck sprüht vor Kraft. Es ist eine Broschur geworden mit Reliefdruck. Die gibt dem Coverbild den richtigen Eindruck.
Niemand wird hier einen Liebesromanoder ähnliches vermuten, sondern das Genre ist eigentlich ziemlich klar abgegrenzt.
Buchtitel und Bild sind Teil der Geschichte und sehr prägnant eingesetzt worden. Mich hat es direkt angesprochen und ich verspreche euch, das Cover passt perfekt.
Eine Klasse Umsetzung von Geschichte, Cover und Druck.
Jazz

Jazz ist eine junge Frau, die noch mit den Folgen ihrer Vergangenheit zu kämpfen hat. Um sich ein wenig von den überempfindlichen Eltern zu lösen, nimmt die Herzkranke eine Praktikumsstelle bei einer großen Tageszeitung in der Großstadt Berlin an.
In diesem Buch erfährt Jazz neben Leid, auch ein kleinen Lichtblick, wie sie die Schatten ihrer Vergangenheit besser verstehen und verarbeiten kann

Milan

Schwierig zu beschreiben, wenn man nicht zu viel verraten möchte, aber er lebt in seiner ganz eigenen Welt, die um die reale herum existiert. Ein Mensch, der sich in seinen Gedanken, die Gefühle und Gesten seiner Gegenüber zu seinen Gunsten auslegt.
Gefangen in seinem eigenen Ich.
Total einfach, gut verständlich, einem Jugendbuch sehr realistisch angepasst. Anschaulich und nachvollziehbare, doch detaillierte Beschreibungen sorgen für absoluten Lesegenuss.
Johannes Groschupf hat durch gute Recherche dazu beigetragen das ich das Buch für absolut realistisch halte. Ich konnte mich echt in die Protagonisten reinversetzen, wenn auch ich Milan nicht verstehen kann. Ich denke bei dieser Art der Wahrnehmungstörung ist das auch gar nicht möglich.  Aber die Art wie es beschrieben wird, lässt einem Schauer über den Rücken laufen und man tritt Menschen ganz anders Gegenüber. Man wird sich bewusst, das man niemanden in den Kopf schauen kann, sondern immer nur die Fassade sieht, man man uns zeigt.
Wahnsinn, ein Buch, das einen ziemlich einnimmt. Durch die doch krasse und genaue Beschreibung von Milans Wahnvorstellungen, ist man quasi ans Buch gefesselt, häufig dachte ich, man das ist doch krank. Dann kam mir in den Sinn, wer weiss was ein Mensch denkt, wenn ich an ihm vorbei gehe.
Johannes Groschupf spielt hier schon sehr mit der Psyche und doch weiss ich, das es leider genau solche Menschen gibt und bin froh wenn ich niemals so jemandem begegnen muss.
Aber durch die doch recht anschaulichen Texte von Milan, bleibt der Spannungsbogen konstant oben.
Ich trete nach diesem Buch Menschen wieder anders gegenüber, denn mal ehrlich jeder kennt es doch das einem etwas mal vorgegaukelt wird, und man innerlich aber ganz anders denkt, das fängt beim Liebeskummer an und hört zwischen Job und Beziehung auf.
Deswegen fand ich die Art der Beschreibungen absolut realistisch und gut nachvollziehbar, aber es macht auch ein wenig Angst, ich zweifle manches mal über meine Menschenkenntnis und werde nun auch öfters darüber nachdenken ob meine Einschätzungen richtig sind, oder ob ich total daneben greife und manches Mal zu vertrauensselig bin.

Wer Jugendthriller mag, und beim darüber nachdenken auch mal ein Gänsehautfeeling bekommen mag, ist hier genau richtig!

Kommentare:

  1. Danke für die Rezi, das macht ja wirklich nachdenklich. Ich hatte mir auf der Buchmesse eine Leseprobe mitgenommen, die muss ich mir jetzt scheinbar einmal genauer ansehen.

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