Sonntag, 24. Januar 2016

[Interview] Mit Alf Stiegler im Gespräch - Der vergiftete Raum



Herzlich willkommen zum zweiten Tag unserer Blogtour
"Der vergiftete Raum" von Alf Stiegler.

Heute haben wir auf Ka-Sa´s Buchfinder ein tolles Interview für euch parat. Viel Spaß beim Lesen!

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Lieber Alf,

Erstmalvielen dank, dass Du Dir die Zeit nimmst meine Fragen zu beantworten.

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

- Klar, sehr gerne! Ich bin 39 Jahre alt und lebe in einem kleinen Dorf in der fränkischen Schweiz. Seit 2005 arbeite ich als Sozialpädagoge und habe mich über eine Zusatzausbildung zum Familientherapeuten weitergebildet, und diesen Job mache ich jetzt in Nürnberg. Für das Schreiben begeistere ich mich schon ewig, und immer habe ich darauf geachtet, dass  mein Brotberuf nicht übermächtig wird – das war nicht immer ganz einfach. Aber Gottseidank habe ich ein gut geschultes inneres Alarmsystem, das mich frühzeitig warnt, wenn es zu viel wird. Dann heißt es: Überstunden abbauen und meinen Leidenschaften frönen: Filme gucken, Bücher lesen, Musik machen,  durch die Pampa radeln, in irgendeinen See springen (so das Wetter das zulässt), und eine neue Geschichte schreiben J
Meine Seite: www.suspensiac.de
©Alf Stiegler
Wie bist du eigentlich zum Schreiben gekommen – Kindheitstraum oder Zufall?

- Geschichten haben mich schon von klein auf fasziniert, und auch als ich noch nicht lesen konnte, habe ich mich über kein Geschenk mehr gefreut, als über ein neues Hörspiel. In der dritten Klasse gab es dann so eine Art Erleuchtungserlebnis: Hausaufgabe war es, einen kleinen Aufsatz darüber zu schreiben, was wir in der Nacht vorher geträumt hatten. Nur, ich wusste nicht mehr, was ich geträumt hatte! Und ich kann mich noch genau an dieses Gefühl von Vorfreude und Aufregung erinnern, als ich mir gedacht habe: „Na, dann denk dir halt was aus!“  Das habe ich dann auch gemacht. Und gleich am nächsten Tag meine erste „Kurzgeschichte“ geschrieben. „Das Monster aus der Unterwasserhöhle.“  Die habe ich noch. Im Original, mit krakeliger Drittklässer-Handschrift und allen Rechtschreibfehlern.  J

“Der vergiftete Raum” ist ja ein Psychothiller. Warum hast du dich für dieses Genre entschieden?

- Eigentlich fühle ich mich in der Phantastik zu Hause und habe immer gerne Science Fiction und Horrorgeschichten erzählt. Thriller waren mir thematisch (gefühlt) zu sehr eingeschränkt. Dann habe ich aber meine Ausbildung zum systemischen Therapeuten begonnen, und bin mit diesen ganzen spannenden Ideen in Berührung gekommen: Wie funktioniert Wahrnehmung, und wie bauen wir unsere eigene Wirklichkeit zusammen. Das hat mich unglaublich fasziniert! Und es hat mich beschäftigt. Irgendwann, auf dem Heimweg von einem Seminar, habe ich mir dann ausgemalt, was passieren würde, wenn einige dieser Dinge ganz schrecklich schief laufen. Und aus dieser Idee ist dann „Der vergiftete Raum“ entstanden. 

Hast du für deine Bücher recherchiert?

- Nur so viel wie nötig. Viele meiner Autorenkollegen sind fasziniert von der Recherche und dem, was dabei an zusätzlichen Ideen entstehen kann – mich verwirrt das, und ich neige dazu Ideen anzuhäufen, die mich dann vom Weg einer klaren Geschichte abbringen. Das ist auch der Grund, warum dieser Ort, in dem der Roman spielt, rein fiktiv ist. Die fränkische Schweiz sollte als Kulisse dienen, die typische Stimmung dort in das Setting einfließen. Das heißt aber nicht, dass ich einfach ins Blaue erzähle. Die Methoden zum Beispiel, die Juliana anwendet, um den Kindern zu helfen sind tatsächlich auch Methoden, die sich durchaus im Methodenarsenal eines systemischen Therapeuten finden lassen können.  Na gut. Tinkerbell vielleicht nicht J 

Wo entstehen deine Geschichten?

- Eigentlich kann ich überall schreiben, aber am liebsten arbeite ich auf meinem Balkon. Ich wohne in einem kleinen Dorf in der fränkischen Schweiz und habe von dort einen herrlichen Blick. Es inspiriert mich ungemein, draußen zu schreiben, die ganzen Geräusche und Gerüche und Eindrücke sind tatsächlich wie Dünger, auf dem Ideen wachsen. Manchmal, wenn es mir die ganzen Motorradfahrer und Radler und Wanderer doch zu viel werden, schwinge ich mich auf mein Rad und fahre einfach raus in die Natur. Den Epilog vom vergifteten Raum habe ich zum Beispiel irgendwo im Nirgendwo geschrieben, an einem der ersten warmen Frühlingstage, mit dem Rücken an einen alten Baumstamm gelehnt. Da hätte nur noch der Grashalm im Mundwinkel gefehlt, um das Klischeebild komplett zu machen, hahaha!  Aber es war einfach herrlich, den verspannten Rücken habe ich dafür gern in Kauf genommen - und ich glaube, diese Naturnähe, die ich beim Schreiben gespürt habe, hat auch seinen Weg in den Text gefunden J
 
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Schreiben und Brotjob – lässt sich alles gut miteinander vereinen? Wie schaffst du dir deine Schreibpausen und was gehört für dich unbedingt dazu?

- Puh. Das ist schon schwierig. Ich kann meine Termine gottseidank weitgehend flexibel legen und habe mir zum Wochenende noch einen zusätzlichen Tag frei gehalten. Aber natürlich will da erstmal der ganze Kram erledigt werden, der während der langen Arbeitstage liegen geblieben ist. Und da ich mir vorgenommen habe, an jedem meiner freien Tage mindestens vier Stunden zu schreiben, kann das schon ganz schön stressig werden. Die Beziehung soll ja nicht darunter leiden, und Freundschaften möchte man auch noch pflegen. Deswegen habe ich mir vorgenommen jetzt auf 30 Stunden Teilzeit zu reduzieren. Ich freue mich schon sehr darauf!

Wieviel von deiner Hauptfigur Juliana steckt in Dir?

- Oh, da ist schon ein bisschen was von mir in ihr drin! Diese Begeisterung für die Natur und ihre Faszination für bizarre psychologische Phänomen haben wir ohne Zweifel gemeinsam. Auch verwendet sie viele therapeutische Methoden, die ich auch verwende. Außerdem haben wir eine ähnliche Begeisterung für gutes Eis und guten Kaffee. Tatsächlich gibt es diese Eisdiele wirklich, in der die ersten Szenen vom Roman spielen, und jedesmal wenn ich nach Augsburg komme, MUSS ich dort mindestens eine Eiswaffel im Schultütenformat verspeisen J
Allerdings höre ich im Gegensatz zu Juliana sehr genau auf mein Bauchgefühl, und Chandra Fichtner hätte ich wahrscheinlich schon am zweiten Tag eine reingehauen, hahaha! 

Hast du nach diesem E-Book Serial schon ein neues Buch in Planung und kannst uns was dazu sagen?

- Es sind gerade zwei Projekte in Planung. Das eine ist jetzt schon so gut wie fertig. Dabei handelt es sich um eine Komplettüberarbeitung meines Erstlings. „WetGrave“ ist  ein kleiner, finsterer Science Fiction Horror-Roman von 200 Seiten, und er wurde 2005 über einen Kleinstverlag im Rahmen der Heftromanreihe „Ad Astra“ veröffentlicht. Leider hat mir das Cover damals überhaupt nicht gefallen, und stilistisch merkt man dem Roman durchaus an, dass er schon zehn Jahre auf dem Buckel hat. Deswegen auch die Überarbeitung. Man kann fast schon von einem „Remake“ sprechen, vom ursprünglichen Text sind nämlich nur noch ein paar wenige Formulierungen übrig.

Ich hoffe, dass WetGrave im März so weit fertig ist, und dann werde ich es erst einmal als eBook via Selfpublishing veröffentlichen. Aber Vorsicht: WetGrave ist nichts für schwache Nerven. Jemand hat die Geschichte mal als eine Mischung aus The Abyss und Hellraiser beschrieben. Das schmeichelt mir natürlich gewaltig – gleichzeitig macht es aber auch deutlich, dass man schon eine gewisse Horror-Verträglichkeit mitbringen sollte, wenn man sich an die Geschichte wagen möchte J
Aber es steht auch schon ein komplett neues Romanprojekt in den Startlöchern. Ich möchte nicht zu viel darüber verraten, einfach, weil ich wohl das Autorenklischee bediene, dass mir die Inspiration flöten geht, wenn ich zu viel im Vorab über ein Projekt quatsche. Auf jeden Fall wird es wieder ein Thriller sein und in der fränkischen Schweiz spielen; es wird um einen Ort gehen, der von den Einheimischen gemieden wird. Nachts will man dort entstellte Menschen gesehen haben, die desorientiert durch den Wald irren, und angeblich verschwinden dort immer wieder Kinder. Der Protagonist der Geschichte stochert natürlich in diesen geheimen Ort hinein. Und natürlich wird ihm das nicht gut bekommen… :D 

Liest du selber und wenn ja, welches Buch liegt auf deinem Nachttisch?

- Ich lese sehr gerne, ja! Allerdings viel weniger, als ich gerne würde. Das liegt einfach daran, dass ich an einem Winterabend lieber einen Film oder eine Serie ansehe, als mir ein Buch zu schnappen. Im Sommer allerdings schwinge ich mich mit Proviant und Buch aufs Rad, suche mir einen ruhigen Platz und lese bis zum Abend.
Leider tue ich mir auch recht schwer, neue Bücher zu finden. Ich bin doch recht verwöhnt, und greife oft auf meine alten Lieblinge zurück: „Hellstroms Brut“ von Frank Herbert, „Das Parfum“ von Patrick Süskind, Lovecraft, Enid Blyton, Michael Ende. Aber auch Harry Potter und „Das Lied von Eis und Feuer“ von George R.R. Martin sind häufig gesehene Gäste auf meinem Nachttisch.
Es gibt aber auch ein paar neuere Anschaffungen, die mich wirklich umgehauen haben: „Erebos“ und „Saeculum“ von Ursula Poznanzky, „Der Joker“ von Markus Zusack, „Ich und die anderen“ von Matt Ruff, „Ready Player One“ von Ernest Cline und die Extraleben Trilogie von Constantin Gillies. Wahrscheinlich hab ich jetzt aber die Hälfte vergessen J

Hast du selber einen Lieblingsautor und was reizt dich an ihm/ihr?

- Es gibt viele Autoren und Autorinnen, die mir viel bedeuten, aber George R.R. Martin ist im Augenblick mein unangefochtener Spitzenreiter. „Das Lied von Eis und Feuer“ ist für mich einfach ein Meilenstein der Handwerkskunst, und auch wenn die letzten Bände gewaltig abgebaut haben, lese ich auch sie jedesmal mit Hochgenuss und Ehrfurcht. Ich liebe seine Art Dinge zu beschreiben, sofort entstehen Bilder im Kopf, ich liebe seine Dialoge, die so herrlich treffend und schneidig sind, obwohl sie wirken, wie aus der Hüfte geschossen, ich liebe seine kompromisslose Art Entwicklungen bis zu ihrem bitteren Ende durchzuziehen. Ich liebe es, wie er es schafft, Figuren eine glaubwürdige Wandlung vom hassenswerten Schurken zum fast-schon-Sympathieträger machen zu lassen, ich liebe es, wie er es schafft, Informationen so geschickt in Dialoge einzuweben, dass einem fast nicht auffällt, dass es sich um Rückblenden handelt… ach, ich könnte ewig so weiter machen!

Vom Print zum E-Book vom Ebookzum Print – Wie empfindest du die digitale Entwicklung?

- Anfangs war ich (wie wohl die meisten Buchenthusiasten) nicht unbedingt angetan vom E-Book. So ein Printbuch ist einfach etwas ganz besonderes, wie es sich anfühlt, wie es riecht – und wie viel einfach es ist, zu einer anderen Stelle zurückzublättern. Mittlerweile möchte ich das E-Book aber nicht mehr missen! Mein Gepäck dankt es mir sehr, dass ich statt zehn Büchern nun einen kleinen Reader dabei habe.
Auch als Autor finde ich das Format „E-Book“ sehr spannend, eben weil da solche Dinge wie E-Serials möglich sind. Ich kann mich noch gut erinnern, als „The Green Mile“ von Stephen King als Fortsetzungsroman rausgekommen ist, und ich habe jedesmal darauf gefiebert, wie es weiter geht! Das E-Serial nimmt dieses Konzept wieder auf, und ermöglicht eine ganz besondere Art des Spannungsaufbaus. Ich glaube, in dem Bereich bieten sich noch viele Möglichkeiten, die im Printbereich nur schwer zu verwirklichen wären, einfach auch, weil fehlgeschlagene Experimente im Printbereich deutlich teurer kommen dürften, als bei einem E-Book. 

Vielen Dank das Du meine Fragen beantwortet hast, magst Du deinen Leser noch etwas sagen?

Vielen Dank für eure Neugierde! Oh, und wenn ihr irgendetwas gelesen oder gesehen habt, das euch wirklich umgehauen hat, würde ich mich sehr freuen, wenn ihr mich daran teilhaben lasst J
 


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Kommentare:

  1. Hallo Katja, Hallo Alf,

    ich würde gerne wissen, ob die Idee zum Buch auch ein wenig über den Beruf kam?

    LG Ricarda

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  2. Hallo Ricarda,
    ja, tatsächlich hat mich mein Beruf auf die Idee zum Buch gebracht - allerdings wirklich nur als Geburtshelfer. Ich hoffe nämlich wirklich sehr, dass ich nie mit so etwas in Berührung komme, was da im Waldheim abgeht ;)

    Beste Grüße,
    Alf.

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  3. Hallo,

    mich würde interessieren wie lange sie an einem Buch schreiben.

    LG
    SaBine

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  4. Hallo,
    die Zeitspannte dehnt sich von anderthalb bis zu drei Jahren. Das liegt daran, dass ich ziemlich ausgeprägt vorplane, dann schreibe (und dabei doch alles ganz anders mache), und schließlich noch ziemlich intensiv überarbeite. Und der Brotberuf schnippelt natürlich auch noch ordentlich von der verfügbaren Schreibzeit ab :)

    Beste Grüße,

    Alf S.

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  5. Hallo,

    danke für das tolle Interview! Es beantwortet wirklich viele Fragen und doch fällt mir eine ein, die mich noch brennend interessiert:
    Wie ist es zu wissen, dass andere die Bücher lesen, die man selbst geschrieben hat? Ist man da aufgeregt? Fiebert man da jeder Rezension und Bewertung entgegen? Oder ist das Gefühl mittlerweile abgeflaut, da immerhin der erste Teil der Reihe im September 2015 erschienen ist?

    Bin ich zu neugierig? *.*

    Alles Liebe,
    Tiana :)

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  6. Hallo Tiana,
    ach was, zu neugierig :) Und oh nein, abgeflaut ist da gar nix :D Man hat da nämlich diese Gewissheit: Jetzt ist die Geschichte in die große weite Welt hinausgelatscht. Jetzt muss sie sich vor all den Leserinnen und Lesern beweisen, die ihr hart erarbeitetes Geld und ihre kostbare Lebenszeit darin investieren... Da kriegt mans schon mit der Angst zu tun! Und man ist unglaublich Stolz :)

    Beste Grüße,
    Alf.

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    1. Hallo Alf,

      da bin ich aber froh!
      Das kann ich mir vorstellen. Angst, Aufregung und doch auch Freude. Muss toll sein, Autor zur sein ;D

      Alles Liebe,
      Tiana

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